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Die Rote Armee befreite auch Wien

Vom 11. bis 15. April 2016 machten sich Mitglieder von Desant e.V. (Desant e.V. ist ein deutscher Verein deren Mitglieder hauptsächlich Russland-Deutsche sind) auf den Weg nach Wien auf um den 71. Jahrestag der Befreiung Wiens zu gedenken. In Bratislava traf man sich mit Angehörigen von „AVIKO“ (Veteranen aus der Kaliningrader Oblast) und mit Mitgliedern des „Russischen Fallschirmjägerverbandes“ aus dem Kaliningrader Gebiet. Mitglied der Kaliningrader war ein 91-jähriger Veteran, der mit der 2. Ukrainischen Front selbst an der Befreiung Wiens teilnahm. Auch für Ihn sollte diese Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Er war es auch, der keine Gelegenheit ausgelassen hat, wo auch immer er saß oder stand, uns mit seinem Gesang und dem Akkordeon zu unterhalten.

Stefan, ein guter Freund hat alles Nachfolgende organisiert.

Die Unterbringung war recht einfach. In einem Raum schlief der General neben dem Soldaten auf einem Feldbett. Nichts war mit einem 5-Sterne-Hotel! Gastgeber war eine slowakische Spezialschule, in der unter anderem angehende Spezialisten für die slowakische Armee und für Spezialeinheiten der Polizei ausgebildet werden.

Die Schulleitung organisierte am ersten Tag eine Stadtführung in Bratislava. Anschließend begannen die Vorbereitungen für den Besuch in Wien. Die Veteranen legten ihre Uniformen mit den Auszeichnungen an. Gemeinsam fuhren wir dann mit dem Bus nach Wien und legten am sowjetischen Ehrenmal im Zentrum Wiens Blumen und Gebinde nieder. Auf Einladung des Russischen Botschafters und des Militärattachés besuchten wir einen Empfang in der russischen Botschaft. Die Atmosphäre war sehr feierlich, dennoch konnte man sich ungezwungen bewegen und interessante Gespräche führen. Gerade der Boschafter kümmerte sich rührend um seine Gäste.

Nach der Rückkehr in Bratislava haben die Veteranen den Schülern vom Krieg berichtet und immer wieder betont, dass dies in der heutigen Zeit für kein Land mehr eine Option zur Durchsetzung des politischen Willens sei. Anschließend wurde uns Gelegenheit geboten, den Darbietungen der Kampfsportler der Schule unserer Gastgeber beizuwohnen. Dazu rückten die Fahnenkommandos der Schule und ihrer Gäste in die Sporthalle ein. Das gesamte Lehrerkollegium wohnte dem Kommenden bei. Als Gast erschien auch noch ein Vertreter des russischen Militärattaché-Apparates der russischen Botschaft in der Slowakei. Die Vorführungen der Jungen als auch Mädchen waren absolut beeindruckend. Von den harmlosen Varianten der Entwaffnung des potenziellen Angreifers von Messer, Pistole und MPi über die extremste Selbstverteidigung bis zur völligen Ausschaltung des Angreifers wurde höchster körperlicher Einsatz geboten. Am Ende des Tages wurde uns auch noch angeboten, die Bewaffnung der Auszubildenden zu testen. Man nahm dankbar an, auch wenn es hochmoderne Waffen mit Lasereinrichtungen waren.

Am letzten Tag unseres Aufenthalts haben wir mit einer Delegation der Schule am sowjetischen Ehrenmal, auf einem Hügel über der slowakischen Hauptstadt, erneut mit Blumen und Gebinden den gefallenen Helden gedacht, die ihr Leben für die Befreiung vom Faschismus gegeben haben, gedacht.

Als so langsam der Abschied nahte, hatte ich noch ein längeres Gespräch mit einer Lehrerin dieser Schule. Während unseres Aufenthaltes hatte sie sich rührend um uns gekümmert, immer mit einem Lächeln im Gesicht, was ich so wohl nie vergessen werde. Meine Sorge galt der Einrichtung.  Die Slowakei ist Mitglied der NATO. Wie würden wohl slowakische Behörden und Dienste reagieren, wenn sie aus den Medien erfahren, wie freundschaftlich und vertrauensvoll wir alle miteinander umgegangen sind? Ich fragte sie, ob ich über unseren Aufenthalt berichten könne. Dabei war mein Anliegen, die Schule nicht in Zwänge oder Nöte zu bringen. Zunächst fragte sie mich, ob meine Frage tatsächlich ernst gemeint sei, lächelte aber schon dabei. Bei all den Erfahrungen, die wir in Deutschland machen, war meine Frage natürlich ernst gemeint. Bei der Medienoffensive gegen Russland, die gegenwärtig von den deutschen „Leitmedien“ nahezu eskaliert wird, gilt ja schon jeder, der nicht „Russophob“ ist, als Handlanger Putins.

„Für die Slowaken sind die Russen nicht das Problem!“ So war ihre lachende Antwort. Dann erklärte sie mir, sie kenne meine Sorge, aber hier ist eben nicht Deutschland. Und so lange ich niederschreibe, was wir tatsächlich erlebt haben, so lange könne ich immer wieder zu Besuch kommen. Und genau so war es!

Jürgen Köhler

Berlin, 27.4.2016

   
   
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